Dupuytren'sche Kontraktur

Was versteht man unter Dupuytren'scher Kontraktur (Morbus Dupuytren, Dupuytren'sche Erkrankung)?

Die Erkrankung ist nach dem französischen Arzt "Dupuytren" benannt, der sich im vergangenen Jahrhundert mit der Erforschung dieses Krankheitsbildes befaßt hat.

Zwischen der Haut der Handinnenfläche und der Finger findet sich eine strangförmige bindegewebige Schicht, die sogenannte Palmaraponeurose. Diese Bindegewebsschicht verändert sich bei der Dupuytren'schen Erkrankung, sie wird dicker und bildet Stränge und Knoten, die zu deutlichen Einziehungen der Haut führen können und die die Arterien und Nerven der Hohlhand umwuchern können.

Es handelt sich also um eine Erkrankung des Bindegewebes und nicht, wie früher oft fälschlicherweise vermutet, um eine "Beugesehnenverkürzung".
Die Erkrankung ist immer gutartig.

Am häufigsten tritt die Erkrankung im Bereich des vierten und fünften Strahles auf, es können aber prinzipiell alle Finger und sogar die Fingerstreckseite betroffen sein. Durch die strangförmige Veränderung des Bindegewebes kommt es zur Verkürzung, die Finger werden immer mehr gekrümmt und so in die Hohlhand hineingezogen. Je nach Krümmung der Finger und damit je nach Ausbildung des entstandenen Streckdefizits wird die Erkrankung in verschiedene Stadien eingeteilt.

Der Verlauf der Erkrankung ist oftmals schubweise, d.h. nach langem Stillstand kann es in relativ kurzer Zeit zu deutlicher Verschlimmerung kommen.

Wodurch wird die Dupuytren'sche Erkrankung verursacht?

Die Dupuytren'sche Erkrankung ist eine relativ häufige Erkrankung, Männer erkranken etwa 8 mal so häufig wie Frauen. Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt, man geht heute jedoch von einer erblichen Belastung aus. Gehäuftes Auftreten findet man bei zuckerkranken Patienten (Diabetes mellitus) sowie bei Lebererkrankungen.

Durch eine Verletzung kann die Erkrankung zwar nicht entstehen, aber oftmals in der Entwicklung beschleunigt werden.

Verwandte Erkrankungen gibt es an der Fußsohle (Morbus Ledderhose) und am Penis (Induratio penis plastica).

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Der erfahrene Handchirurg erkennt die Erkrankung durch einfaches Betrachten und Betasten der Hand.

In Einzelfällen können bei starkem Befall Röntgenaufnahmen zur Darstellung von Gelenkkontrakturen erforderlich werden.

Aufwändige oder gar schmerzhafte Untersuchungen sind nicht erforderlich.

Wann sollte operiert werden?

Eine Operation sollte durchgeführt werden, wenn es zur Ausbildung einer Beugekontraktur oder einer Abspreizhemmung eines Fingers kommt oder wenn sich der Prozess über mehrere Hohlhandstrahlen flächig ausdehnt.

Das Alter des Patienten spielt hierbei keine wesentliche Rolle, da die Operation in Regionalanästhesie und damit auch bei Vorliegen von Begleitkrankheiten, z.B. des Herz-Kreislaufsystems, in der Regel problemlos durchführbar ist.

Dupuytren'sche Kontraktur

Wie wird operiert?

Als Standard-Operationsverfahren gelten:
- Partielle Fasziektomie mit Entfernung nur des veränderten Gewebes der Palmaraponeurose,
- totale Fasziektomie mit vollständiger Entfernung der Palmaraponeurose.

Je nach Ausprägung der Erkrankung müssen dabei die Gefäß-Nervenstränge freipräpariert werden und ggf. Lösungen eventueller bereits eingetretener Gelenkversteifungen durchgeführt werden.

Welches Verfahren durchgeführt wird ist jeweils im Vorgespräch zwischen Patient und Arzt individuell zu entscheiden.

Gibt es auch nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten?

Es wurden Therapieversuche mit Röntgenbestrahlung, Ultraschallbehandlung, Kortisontherapie oder langfristige Vitaminbehandlungen beschrieben. Im Allgemeinen gelten diese Maßnahmen jedoch alle als untauglich, den Fortschritt der Erkrankung zu beeinflussen.

Zu welchen Komplikationen kann es durch die Operation kommen?

Verletzung von Arterien oder Nerven während des Operationsverlaufs werden sofort unter Einsatz des Operationsmikroskopes behoben.

Bei schwersten Ausprägungen der Erkrankung kann es zu Durchblutungsstörungen an den Fingern kommen, die jedoch meist vorübergehend sind.

Zur Vermeidung von Nachblutungen werden für etwa 2 Tage Saugdrainagen eingelegt.

Wundheilungsstörungen durch Durchblutungsminderungen der Haut sind relativ häufig und heilen bei korrekter Nachbehandlung meist problemlos aus.

Das Auftreten von Rezidiven oder auch ein neues Auftreten an bisher nicht befallenen Fingern ist möglich.

Eine frühzeitige krankengymnastische Behandlung ist für den Operationserfolg wesentlich .

Muß ich stationär im Krankenhaus liegen?

In der Regel wird der Eingriff bei der Dupuytren'schen Kontraktur ambulant durchgeführt. Je nach Wunsch und Zustand des Patienten ist die Operation in Vollnarkose oder in Teilnarkose des Armes durchführbar.

Bei schweren Ausprägungen, bei denen eventuell mit Durchblutungsstörungen der Finger zu rechnen ist oder wenn eine Hauttransplantation erforderlich wird, sollte eine 2-3-tägige stationäre Überwachung erfolgen.

Dies gilt auch für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen wie z.B. Koronarer Herzkrankheit, schwere Gefäßerkrankungen, schwerer Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Asthma bronchiale u.ä.

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